Norte - Informationen zu Jakobswegen

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Camino del Norte (Camino de la Costa)

Der Camino de la Costa (Küstenweg) beginnt an der französisch-spanischen Grenze in Hendaye bzw. Irun und geht bis Ribadeo an der galicischen Grenze. Hier geht es dann auf dem Camino del Norte (Nordweg) bis Santiago weiter.  Das wären normalerweise die korrekten Bezeichnungen. Fast alle Pilger reden jedoch nur vom Camino del Norte, auch wenn sie eigentlich noch auf dem Camino de la Costa unterwegs sind. Der Einfachheit halber werde ich auch nur vom Camino del Norte reden.
Es ist der Weg, den die Pilger als einzigen im frühen Mittelalter gehen konnten, als fast ganz Spanien von den Mauren beherrscht wurde.
Der Camino del Norte wird heute wieder relativ oft begangen, obwohl er wesentlich anspruchsvoller ist als die Jakobswege, die ich bisher gegangen bin: Camino francés, Caminho portugues und die Via de la Plata. Es geht ständig bergauf und bergab. Das Wetter ist relativ unbeständig. Lange Tagesetappen, die ich auf der Via de la Plata relativ problemlos gehen konnte, sind hier meiner Meinung nach zumindest in den ersten Tagen deutlich schwieriger zu schaffen. Landschaftlich ist dieser Weg durch die Kombination von Meer und Gebirge sehr interessant.
Teil I: Irun - San Vincente de la Barquera

Am 20. Mai 2009 fahre ich mit der Bah wie bei mir fast immer üblich - mit deutlicher Verspätung und in einem hoffnungslos überfüllten Zug nach Frankfurt/Main. Ich gebe meinen Rucksack auf und warte sehnsüchtig darauf das Flugzeug besteigen zu dürfen. Achtung, eine Durchsage: Der Flug nach Bilbao ist leider überbucht. Wir suchen zwei Gäste, die im Hotel übernachten und erst am nächsten Morgen fliegen. Wir bieten zusätzlich zur kostenlosen Übernachtung noch 250 Euro.
Tatsächlich werden wohl zwei Freiwillige gefunden.
Gegen 23.20 Uhr erreiche ich Bilbao und gegen Mitternacht bin ich in meinem Hotel.
1. Etappe: Irun - San Sebastian

Am nächsten Morgen klingelt meine Armbanduhr für einen Pilger um 7.00 Uhr recht spät. Ein Blcik nach draußen verheißt nichts Gutes. Es hat in der Nacht noch geregnet und es scheint jeden Moment wieder los zu gehen. Um 7.30 Uhr verlasse ich das Hotel und bin 5 Minuten später zu Fuß am Busbahnhof. Ich werde mit einem Höllenlärm von jungen baskischen Demonstranten empfangen. Was das zu bedeuten hat, erfahre ich später noch. Mein Bus kommt mit 30 Minuten Verspätung gegen 9.10 Uhr. Es ist das erste Mal für mich in Spanien, dass ein Bus zu spät kommt. Um 10.50 Uhr lande ich nach einer entspannenden Fahrt in Irun. Jetzt bin ich wieder ein echter Pilger. Von der Bushaltestelle aus finde ich schnell die Estacion de Renfe und von hier aus zur Herberge. Gegenüber ist ein kleiner Laden. Ich gönne mir 2 Äpfel und 2 Wasser. Um 11.10 Uhr bin ich wieder alleine auf der Straße. Außerhalb Iruns ist alles perfekt gekennzeichnet, wie später auch im ganzen Baskenland und in ganz Kantabrien.
Der Weg ist für den ersten Tag ganz nett. Es sollen ja nur etwa 23 km sein. Auch wenn ich für meine Verhältnisse viel zu spät losgelaufen bin, so ist das doch alles machbar. Es ist recht kühl und es sieht nur nach Regen aus. Es bleibt aber den ganzen Tag trocken. Nach etwa 4,5 Stunden komme ich in Pasaia-Donibane an. Hier wundere ich mich zuerst. Alles ist geschlossen! Keine Bar, kein Laden, nichts ist offen. Des Rätsels Lösung: Generalstreik. Dann geht natürlich auch die Fähre nicht nach Pasaia-San Pedro und ich darf für die 300 m Luftlinie noch gut 7 km um die Meeresbucht pilgern. Ich fluche ganz heftig  und ziemlich viel und komme nach etwa 32 km tatsächlich noch in San Sebastian an. Trotz des Generalstreiks finde ich nach einigem Suchen eine kleine Pension.

 
2. Etappe: San Sebastian - Zarautz

Um 7.00 Uhr breche ich San Sebastian auf. Eine Bar hat um diese Zeit natürlich nicht auf. Nach dem Generalstreik von gestern knurrt mein Magen ganz schön. Die Strecke nach Zarautz ist aber schön. Leider spielt das Wetter nicht ganz mit. Es ist teilweise ganz schön neblig. Es geht bergauf und bergab. Unterwegs holt mich David aus dem Burgenland ein. Wir verstehen uns bestens und laufen einige Kilometer zusammen. In Orio machen wir in einer Bar Rast und es gibt endlich etwas zu essen. In Zarautz verabschiede ich mich von David. Er will noch weiter. Mir reicht es für den zweiten Tag. Da ich mir am ersten Tag noch meinen Fuß vertreten habe, suche ich noch eine Apotheke auf und versorge mich mit Voltaren. In Zarautz gönne ich mir eine Pension, da ich keine Nerven für schnarchende Mitpilger habe. Abends genieße ich ein menu del dia. Es ist mengenmäßig ausreichend und gut. Außerdem bekomme ich einen Pilgerrabatt.  
3. Etappe: Zarautz - Deba

Wie gestern bin ich um 7.00 Uhr auf dem Weg. Es geht gleich richtig steil los, was mein kaputter Knöchel nicht mag. Es fängt an zu regnen. Die neue Herberge in Askizu existiert zwar, ist aber geschlossen. Es gibt auch keinen cafe con leche. Es geht weiter bergauf und bergab. In Zumaia lasse ich die erste Bar, die ich sehe, links liegen. Es werden sicher noch weitere Bars kommen. Leider war das ein großer Denkfehler. So gehe ich am Ortsende links in den Friedhof und fülle dort meine Wasserflasche auf. Erst in Elorriaga gibt es wieder eine Bar. Endlich bekomme ich einen cafe con leche. Irgendwann kommt ein Stück entlang der N 634. Über die Brücke ist noch OK, das Stück danach ist extrem gefährlich, weil es keinen Standstreifen gibt. Die Leitplanken sind ersetzt durch Betongebilde, so dass ein Ausweichen nicht möglich ist. Gottseidank geht es nach einigen Hundert Metern rechts ab. Landschaftlich ist es sehr schön, aber der Aufstieg zum Itziar-Pass ist extrem steil. Auch weiterhin geht es steil auf und ab. In Deba angekommen genieße ich einen Superluxus. Die Straße ist so steil, dass die Stadt für die Fußgänger zwei öffentliche Fahrstühle gebaut hat. So schwebe ich die letzten 30 Höhenmeter in einigen Sekunden nach unten. Mein linker Fuß meldet sich permanent. Für die paar Kilometer war ich mit knapp acht Stunden viel zu lange unterwegs. Ich gönne mir also eine gute Unterkunft, wo ich auch meine Wäsche halbwegs ordentlich waschen kann. Zum Abendessen gibt es heute nur eine Tortilla und ein Bier.
4. Etappe: Deba - Markina-Xemein

Am nächsten Morgen breche ich früher auf. In meiner Unterkunft bekomme ich noch einen Apfel für unterwegs. Ich glaube eine relativ harmlose Etappe vor mir zu haben.
Bis El Calvario ist es zwar schon ganz schön steil, aber noch halbwegs trocken. Dann fängt es richtig an zu schütten.  Die Wege sind in kürzester Zeit völlig verschlammt. Ich finde Spuren. Da rutscht vor mir jemand genau so wie ich auch. Vielleicht ist es Bernard aus Frankreich? Er hat mich einige Kilometer zuvor überholt. Kurz vor Markina holt mich ein junger Berliner ein. Wir laufen bis San Miguel zusammen. Die Kirche San Miguel de Aretxinaga ist tatsächlich offen. Das ist eine kleine Sensation, denn seit geraumer Zeit sind fast alle Kirchen verschlossen. Wir treten zusammen ein und sind fasziniert von der Kirchengestaltung. Drei riesengroße Steine umgeben den Altar. Für Gottesdienstbesucher ist nicht allzuviel Platz. Kurzzeitig hört es auf zu regnen. Für mich beginnt die Quartiersuche, die nicht ganz einfach ist. Mit einheimischer Hilfe finde ich etwas außerhalb ein casa rural. Hier kann ich zwar gut schlafen, aber zu essen bekomme ich nichts. Es ist Sonntag und mein linker Knöchel sagt mir, dass ich an diesem Tag nicht mehr laufen soll. Es fängt wieder an zu regnen. Den ganzen Abend und die Nacht tobt ein Gewitter.
5. Etappe: Markina-Xemein - Gernika

Gegen 6.30 Uhr bin ich auf der Straße. Die ersten paar Kilometer gehen ganz gut, dann fängt es wieder an zu schütten. Nachdem der offizielle camino von der Straße abgebogen ist, gibt es nur noch Matsch. Weder in Iruzubieta noch in Bolibar hat eine Bar geöffnet. Bis ich am Kloster Cenaruzza ankomme bin ich fix und fertig. Ich will an diesem Tag nicht mehr weiterlaufen und gehe ins Kloster. Ein überaus freundlicher Pater zeigt mir die Unterkunft und bringt mir trockenes Brot, einen Apfel und Kaffee und Milch. Nie hat mir trockenes Brot besser geschmeckt als hier. Dann entdecke ich in der Herberge einen Wäschetrockner. Er funktioniert auch! Ich wasche meine komplett verdreckte Hose und stecke sie in den Trockner. Ziwschenzeitlich hat es aufgehört zu regnen. Meine Moral steigt schnell stark an. Ich trage nochmals Voltaren auf den Knöchel auf und ziehe wieder los. Vorher lasse ich eine großzügige Spende und ein Dankschreiben an den Pater zurück. Um 11.00 Uhr verlasse ich das gastliche Haus und es beginnt sofort wieder zu gewittern. Die Tür hinter mir ist zu. Ich habe keinen Schlüssel. Nach einigen Kilometern in tiefem Matsch treffe ich bei einem Bauernhof zwei junge Katalanen, die sich in einem Schuppen untergestellt haben.Ihnen geht es nicht besser als mir. Der Weg verläuft später teilweise als Bach. Irgendwann verpasse ich eine Abzweigung und lande auf der Straße. Das ist das beste, was mir an diesem Tag passieren kann. Von Matsch habe ich genug und laufe bis Gernika auf der Straße. Nach neun Stunden komme ich ziemlich versaut an. Ich finde relativ schnell eine Unterkunft. Am Abend genieße ich in meiner Unterkunft ein menu del dia. Nach der Preisliste soll es zehn Euro kosten. Auf der Rechnung stehen sechs Euro. Ich glaube an einen Irrtum und frage nach. Die sechs Euro seien in Ordnung, das ist der Pilgerrabatt. Und das passiert einem Deutschen ausgerechnet in Gernika! Mucias gracias! Eine weitere Überraschung ist, dass Santa Maria geöffnet ist. Auch finde ich relativ schnell, die Kachelwand mit dem berühmten Bild Gernika von Picasso.
6. Etappe: Gernika - Lezama

Zu Beginn des Tages regnet es nicht. Die Etappe bietet zwar einige Höhenmeter, ist aber ganz gut machbar. Ich treffe unterwegs Lieke, Raul und Bernard. Wir haben uns in den vergangenen Tagen ab und zu gesehen und laufen heute ein paar Kilometer zusammen. Leider ist heute etwas mehr Asphalt angesagt. Wir sind insgesamt recht schnell unterwegs und nach etwa fünf Stunden sind wir schon in Lezama. Laut deutschem Führer kann es hier zwei Herbergen geben. Die Information, die wir im Rathaus erhalten, klingt nicht gut: Zur Zeit gibt es hier keine Herberge. Etwa zwei Kilometer weiter an der Landstraße würde es ein casa rural geben. Bernard meint, dass  ihm das zu teuer sei. Wir verständigen uns in vielerlei Sprachen darauf, dass wir zusammen ein Doppelzimmer nehmen, was wesentlich preiswerter ist. Trotz der relativ kurzen Etappe wollen wir nicht nach Bilbao durchmarschieren. Wir genießen Mittags zu viert ein Bier und am Abend ein gemeinsames Menü.
7. Etappe: Lezama - Bilbao

Eine ganz kurze Etappe steht mir mit ca. 11 km bevor. Ich will wenigstens etwas Zeit haben, um mir Bilbao anzuschauen. Trotz der Nähe zu Bilbao verläuft der camino am Anfang recht einsam auf kleinen Wegen und Straßen. Erst ganz kurz vor Bilbao geht es mal wieder sehr steil direkt in die Stadt hinab. Es regnet nicht mehr. Ich komme sogar beim Laufen ins Schwitzen. Sogar die Basilika von Begonia ist offen. Ich habe mich schon vor einer Weile von meinen drei Mitpilgern verabschiedet. Nachdem ich nun auch innerlich in Bilbao angekommen bin, gehe ich weiter Richtung Kathedrale und suche mir eine Unterkunft, die ich relativ leicht und zentral gelegen finde. Nach der üblichen Körper- und Wäschepflege geht es am Nachmittag auf Besichtigungstour, bei der ich wahrscheinlich nicht viel weniger als die elf morgendlichen Kilometer zurücklege. Ich möchte wenigstens von außen möglichst viel sehen. Restaurants in Bilbao sind aber sündhaft teuer und so begnüge ich mich mit einem Sandwich.
8. Etappe: Bilbao - La Arena

Frühmorgens starte ich auf der Kasper-Joos-Route. Ich bleibe also auf der rechten Flussseite und laufe endlos lang an der Straße entlang bis nach Portugalete. Hier setze ich mit einem Schiff über, um vom Fluss aus die Hängebrücke besser sehen zu können. Aus der heutigen Sicht heraus würde ich das nicht mehr tun. Leider ist im Führer von Kasper/Joos die offizielle Route nicht exakt beschrieben. Die Variante auf der rechten Flussseite ist teilweise absolut lebensgefährlich, weil man keinen Sicherheitsabstand zur Fahrbahn hat.
Nachdem ich schon vor 9.00 Uhr in Portugalete übergesetzt hatte, war klar, dass ich weitergehen würde. In Portugalette genieße ich noch den Luxus von zwei Freiluftrolltreppen, die mir doch einige Höhenmeter abnehmen. Am Ortsende ist eine Baustelle und mein Weg endet an einem Bauzaun. Eigentlich sollte ich an einem großen Kreisverkehr geradeaus weitergehen, was absolut nicht möglich ist. In der Mitte der beiden mehrspurigen Fahrbahnen ist ein relativ breiter Grünstreifen, den ich für mich als neuen camino definiere. Am Ende der Baustelle wechsle ich wieder auf die rechte Seite. Leider kommt kurz darauf wieder eine Großbaustelle. Hier ist ein Weg spärlich markiert. Der rote Radweg existiert nicht mehr. Erst nach der Durchquerung von Ortuella gibt es ihn wieder. Die restlichen zehn Kilometer erscheinen mir dann unendlich lange. In La Arena finde ich über eine Bar eine kleine Pension direkt am Strand. Am Abend genieße ich mit einem Brautpaar einen tollen Sonnenuntergang am Meer.
9. Etappe: La Arena - Islares

Ich erhalte am frühen Morgen in meiner Bar ein Frühstück. Frisch gestärkt geht es los. Zuerst am Strand entlang, dann zuerst leicht bergauf auf einen Küstenweg an den Klippen entlang. Hier stolpere ich wieder einmal fast über eine Schlange. Genau hier treffe ich auch Gregor und Paul aus Österreich. Wir beratschlagen, ob die Schlange noch lebt oder nicht mehr. Wir wissen es nicht; auch nicht, um welche Art es sich hierbei handelt. Zwischenzeitlich hat mich ein Kollege aufgeklärt, dass es sich um eine Ringelnatter handelt. Kurz nach unserem Treffen mit der Schlange sollten wir zumindest nach spanischem Führer durch den Tunnel von Galerna. Er ist zur Zeit gesperrt und es gibt einen kleinen gekennzeichnten Umweg. Nach einheimischer Aussage hätte man mit ein bisschen Kletterei auch ohne Umweg über den Tunnel kommen können. Das tun wir uns nicht an. Dafür gönnen wir uns in Castro Urdiales zum Mittagessen je zwei Bier und etwas zu essen. In Islares trenne ich mich wieder einmal von Mitpilgern. Es ist kurz vor 15.00 Uhr. Mir reicht mein Pensum, da ich immer noch Probleme mit meinem Knöchel habe. Ich finde wieder ein Hostal direkt am Meer.
10. Etappe: Islares - Santona

Um 6.00 Uhr breche ich auf. Das Wetter in den lezten Tagen war deutlich besser geworden und ich will nicht in der Hitze am Nachmittag laufen.Bis kurz hinter Liendo laufe ich den Kasper-Weg, dann wieder den offiziellen Weg.
Was ist das eigentlich, der offizielle Weg? Wer weiß heute so genau, welchen Weg im Mittelalter die Pilger genommen haben. Ich weiß, dass ich die ganze Strecke gelaufen bin und dass ich jedes Mal geflucht habe, wenn ich wieder vor einer verschlossenen Kapelle gestanden habe. Allerdings kann ich gut verstehen, dass die Kirchen nicht ohne Aufsicht offen sein können. Im Jahre 1999 war ich am Palmsonntag in Puente la Reina der 99. Pilger in der Herberge. An "guten" Tagen kommen heute so viele pro Tag.
In Laredo finde ich zwei offene Bars. Ich besuche beide. In Colindres habe ich ab und an Probleme mit der Wegfindung, komme dann aber doch nach einigen Fragen an den kilometerlangen Strand. Nach dem Kartenstudium frage ich mich allerdings, was der recht lange Umweg über Colindres eigentlich soll. Das ewig lange Marschieren an der Ausfallstraße macht keinen Spaß. Es müsste eigentlich von Laredo aus einen ebenfalls schönen Weg am Strand entlang geben. Jedenfalls komme ich dann doch noch nach Punton zur Fähre, die mich jetzt für 1,70 Euro nach Santona übersetzt. Leider macht sich das Wetter am Nachmittag zu und ich verzichte abends auf den Strand.
11. Etappe: Santona - Santander

Ganz früh verlasse ich am Pfingstsonntag Santona. Es ist leicht neblig und im Führer von Joos steht, dass man bei schlechten Sichtverhältnissen auch den Radweg nehmen solle. Also laufe ich über die Landstraße. In Argonos hat am frühen Morgen schon eine Bar offen und der Barkeeper zeigt mir stolz, dass es bis Santiago nur noch 585 km sind. Auf der CA 141 kehre ich vor Arnuero nochmals in einer Tankstelle ein. Hier gibt es sogar Tortilla warm und gut. Weiter geht es nach Santa Maria de Bareyo. Diese Kirche möchte ich mir unbedingt anschauen, gehe also links von der Landstraße weg. Leider kommt nach 100 m kein Abzweig nach links, sondern erst einige Meter später. Ich biege rechts ab zur Kirche, die natürlich verschlossen ist. Nach der Beschreibung folge ich der Teerstraße noch 100 m weiter und stehe plötzlich am Abgrund. Ein paar Meter unter mir befindet sich wieder die alte Straße. Ich klettere vorsichtig hinunter und bin mir sicher, dass irgendetwas nicht stimmt. Hier hätte ich rechts abbiegen sollen. Ich jedenfalls gehe nach links und weiter auf der CA 141. Recht bald merke ich, dass das falsch ist. Mein kaputter Knöchel sagt: nicht umkehren! So laufe ich weiter und weiß, dass ich nach Santander durchlaufen muss. Nach einigen Stunden und in Somo noch mehr Fragen nach der Fähre lande ich tatsächlich noch am selben Tag in Santander. Hier ist im Hafen eine große Ausstellung des Militärs. Auch wenn Santiago oft als Matamoros dargestellt wird, ist mir der hl. Jakobus als Pilger lieber. Ich verzichte auf das Militär und suche mir eine kleine Pension.
Am späten Nachmittag gehe ich in die Kathedrale. Sie ist geöffnet, ich trete ein und bekomme einen Schock. So winzig klein habe ich noch keine Kathedrale gesehen. Irgendwann gehe ich wieder nach draußen, einmal um den Gebäudekomplex herum und finde den Eingang zum Kreuzgang und von hier aus den Eingang zur echten Kathedrale. Ich war zuerst in einer kleinen Kirche direkt unterhalb der Kathedrale. Mein Versuch, um 18.30 Uhr etwas warmes Essen zu bekommen schlägt fehl. In einer Bar bietet man mir russische Eier an, die ich dankend bestelle und auch esse. Es war aber wohl besser, dass ich nicht erkannt habe, welche Zutaten in dem Salat gesteckt haben. Nach dem sehr langen Weg gehe ich ganz früh ins Bett.  
Bucht im Golf von Biskaya
Donostio - San Sebastian
Bucht im Golf von Biskaya
Feuchter Jakobsweg
Gernika
Unsere tolle Pension
Kirche in Bilbao
Sonnenuntergang in La Arena
Eine Schlange am Weg
Steilküste
Santander
12. Etappe: Santander - Playa de Mogro

Ich finde ganz früh am Morgen problemlos aus Santander hinaus. Zwischenzeitlich habe ich mich kundig gemacht, wie weit ich pilgern darf, um wieder problemlos mit dem Bus nach Santander zurückfahren zu können. Ich kann mir also ab jetzt viel Zeit lassen. Mein Knöchel wird es mir danken. Nach einer guten Stunde finde ich an der Nationalstraße eine Tankstelle mit angeschlossener Bar. Ein cafe con leche tut gut. Wie beschrieben geht es in Penacastillo rechts von der großen Straße weg. Das erste Stück neben den Gleisen entpuppt sich als ein Trampelpfad in nassem hüfthohem Gras. In kürzester Zeit sind meine Hosen völlig durchnässt. In Bezana überholt mich ein merkwürdiges Pilgerpaar, die es nicht nötig haben zu grüßen. Bis Boo de Pielago verläuft der Weg auf angenehmen kleinen Wegen, leider aber alles Asphalt. Ich nehme mir fest vor, in Boo nicht die Abkürzung über den Eisenpfad zu nehmen. Als ich am Dorfende von der Dorfstraße nach rechts abbiege, werde ich von einem Spanier sofort als Pilger erkannt. Er zückt sein Handy und ich verstehe nur: Achtung, da kommt ein Pilger. An der inoffiziellen Abzweigung laufe ich also geradeaus weiter. Kurz darauf fangen mich zwei nette spanische Herren auf dem Weg ab. Ein Umweg von acht Kilometern sei zu viel und ich sollte unbedingt über die Brücke laufen. Sie zeigen mir auch noch wie ich laufen müsste. Ich erkundige mich sicherheitshalber noch, ob die FEVE Rechts- oder Linksverkehr hat und warte zusätzlich noch den nächsten Zug ab. Da man die Brücke auf der linken Seite überquert, kommt der Zug tatsächlich auf dem "falschen" Gleis. Da ich nun weiß, dass Linksverkehr ist, bin ich auf der Brücke extrem schnell. Der Weg bis zum Bahnhof von Mogro ist dann ein sehr schöner Trampelpfad. In Mogro suche ich mir eine Unterkunft, was nicht ganz leicht ist. Nach einem Umweg von knapp 2 km zum Strand (Playa de Mogro) finde ich dort eine Unterkommen. Ich kann mich auch einmal wieder intensiv um meine Wäsche kümmern.
13. Etappe: Playa de Mogro - Santillana del Mar

Um 6.20 Uhr will ich das gastliche Haus verlassen und bekomme sogar noch ein kleines Frühstück und zwei süße Teilchen für den Weg. Landschaftlich ist der Weg anfangs sehr schön. Später kommt dann der lange Weg entlang der Fa. Solvay. Ich gehe nicht die im Führer beschriebene Variante, sondern biege nach 1,7 km Pipeline nicht nach links ab. Ich laufe geradeaus weiter. Wie ich später erfahren soll, haben das andere Pilger auch gemacht. Der Weg ist auch gekennzeichnet, aber leider nicht im Outdoor-Führer beschrieben. Am Bahnhof von Requejada überquere ich auf einer ganz modernen Füßgängerbrücke die Gleise, gehe geradeaus weiter die Straße nach oben und treffe dort wieder auf die zweite Variante. Ab hier laufe ich wie beschrieben über Barreda, Viveda und Camplengo nach Santillana del Mar. Wie üblich sind die Kapellen, an denen ich vorbeikomme, geschlossen. In Santillana finde ich direkt gegenüber der Kirche eine kleine günstige Pension.
Nach der üblichen Körperpflege will ich in die Kirche. Sie ist wegen einer Beerdigung für Besucher geschlossen. Dafür lässt man mich in den Kreuzgang. Am Nachmittag versuche ich es ein zweites Mal. Wieder ist eine Beerdigung. Später versuche ich nochmals über den Kreuzgang in die Kirche zu kommen, was dieses Mal auch klappt. Gegen 20.00 Uhr treffe ich mich mit Harry aus Bayern und mit Paul und Gregor, die ich erstaunlicherweise wieder eingeholt habe, zum gemeinsamen Essen. Es wird ein gemütlicher Abend. Wir sind uns auch alle vier einige, dass es sehr schade ist, dass fast alle Kirchen verschlossen sind.
14. Etappe: Santillana del Mar - Comillas

Der Weg ist wie immer gut markiert. Ich starte morgens als erster. Ich weiß, dass Harry, Paul und Gregor schneller sind. Die drei holen mich auch unterwegs ein. Wir laufen ein Stück gemeinsam. In Cobreces gönne ich mir einen cafe con leche. Das Stück bis Comillas ist toll zu laufen. Hier verabschiede ich mich von Paul und Gregor, die ja das Glück haben, bis Finisterre durchlaufen zu können. Harry hatt sich vorher schon verabschiedet. Ich finde schnell ein Hostal. Das übliche Ritual folgt: Körper- und Wäschepflege.
San Cristobal ist natürlcih auch abgeschlossen. Dafür schaue ich mir am Nachmittag El Capricho von Gaudi an.  In meinem Hostal erhalte ich um 20.00 Uhr ein ausgezeichnetes Menü.
15. Etappe: Comillas - San Vincente de la Barquera

Mein letzter Pilgertag beginnt wie üblich gegen 6.00 Uhr. Meine Rückfahrt nach Santander ab San Vincente soll um 15.45 Uhr sein. Unterwegs überlege ich mir, was ich sechs Stunden in San Vincente soll. Das Wetter ist wieder schlechter geworden. Ich könnte mich nicht einmal an den Strand legen. Ich laufe also immer schneller und bin dann vor 9.00 Uhr am Busbahnhof. Ich kann also noch in eine Bar und nehme dann den Bus, der fahrplanmäßig um 9.45 Uhr nach Santander fahren soll. Der Fahrer hat wohl keine Lust und fährt schon zehn Minuten früher ab. Für die etwa 75 km lange Strecke zahle ich günstige 4,25 Euro. Unterwegs lässt der Fahrer an allen möglichen und unmöglichen Stellen Leute ein- und aussteigen. Die Verspätung an den offiziellen Haltepunkten bis Torrelavega wird immer länger. Oh Wunder, bis Santander hat er die Verspätung durch eine geniale Fahrweise wieder wettgemacht.
Die Quartiersuche für zwei Nächte gestaltet sich äußerst schwierig, weil in Santander gerade ein großer Kongress sei. Ich finde nach einigem Suchen doch eine ganz kleine Pension in der Nähe des Hafens.
Mein Pilgerdasein auf dem camino del norte ist vorübergehend beendet. Ich bin nur noch Tourist. Leider ist das Wetter wieder extrem schlecht geworde
Am Samstag fliegt mein Ryanair-Flieger pünktlich ab und kommt - wie oft bei Ryanair - früher als geplant in Hahn an.
Der kleine Rest von knapp 500 km soll möglichst bald folgen.  
Santillana del Mar
Gaudigebäude
San Vicente de la Barquera
 
Camino del Norte Teil II

San Vincente de la Barquera - Santiago de Compostela

Um 8.00 Uhr geht es in Heidelberg los. Mein ältester Sohn plus Freundin bringen mich nach Frankfurt/Hahn. Um 9.30 Uhr sind wir da. Das Einchecken läuft bei mir problemlos; bei eingen anderen Passagieren nicht. Es spricht seit den letzten Änderungen nicht mehr viel dafür mit Ryanair zu fliegen. Ich fliege aber pünktlich ab und lande gegen 13.00 Uhr in Santander. Ich fahre zur Estacion de Autobusses.  Um 15.15 Uhr geht es mit der Kantabrischen Busgesellschaft weiter nach San Vicente de la Barquera, wo ich gegen 17.00 Uhr ankomme. Ich suche mir eine Unterkunft. Das Hotel Luzon nimmt mich erstaunlicherweise auf, obwohl es laut einer Mail-Anfrage zwei Tage zuvor ausgebucht sei.
San Vicente ist völlig von Touristen überlaufen. Unverschämt teuer sind auch die Menüs im Hafenbereich. Ich finde aber dennoch eine kleine Bar, wo ich für 11 € ein menu del dia bekomme. Wie üblich geht es früh ins Bett.
16. Etappe: San Vincente de la Berquera - Colombres

Ich stehe um 6.00 Uhr auf. Geschhlafen habe ich sehr schlecht, da es im Haus sehr laut war. Gegen 6.30 Uhr verlasse ich das Hotel. Es regnet mehr oder weniger stark den ganzen Tag. Nach etwa zwei Stunden Pilgerns finde ich die erste offene Bar. Der Cafe con leche tut bei diesem Wetter richtig gut. Später - nach dem Abzweig nach Santo Toribio - raste ich in einer Bushaltestelle. Unquera ist mir zum Übernachten zu früh und so ziehe ich weiter nach Colombres. Nach Auskunft der Touristinfo von Unquera soll es hier mehrere Unterkunftsmöglichkeiten geben. Das erste Hostal ist voll belegt; das zweite öffnet gar nicht auf mein Klingeln. Einen Kilometer weiter finde ich an der Nationalstraße die sehr günstige Pension Oyambre. Zu Essen bietet man hier ein belegtes Brot und ein Bier an. Die ersten ca. 23 km habe ich einschließlich Pausen in 6 Stunden zurückgelegt.
17. Etappe: Colombres - Llanes

Um 6.45 Uhr verlasse ich das gastliche Haus, wie fast immer ohne Frühstück. Für nichtpilgernde Spanier ist ein derart früher Aufbruch nicht nachvollziehbar. Glücklicherweise regnet es nicht. In ein paar Minuten bin ich in La Franca. Hier nehme ich den Europäischen Fernwanderweg E9. Er ist lanf´dschaftlicch sehr schön und führt mich weit von der Nationalstraße weg, ist aber sehr antsrengend und auch ein Umweg. In Buelna treffe ich wieder auf den Normalweg, der teilweise mit dem E9 identisch ist. Leider fängt es wieder an - teilweise sehr stark - zu regnen. Bis Llanes hört es dann auch nciht mehr auf. Unterwegs kehre ich in einer kleinen Bar ein. In einem Dorf ist sogar Markt, wo ich mich mit Vitaminen versorgen kann. Außerdem kaufe ich mir ein frischgebackenes Brötchen mit eingelegtem Würstchhen. Die letzten Kilometer werden sehr anstrengend. Die Entfernungsangaben sind teilweise abenteuerlich. In Llanes ist irgend ein Fest. Da ich aber auch meine Klamotten waschen möchte und irgendwie hoffe, dass bis zum nächsten Tag alles trocken wird, gehe ich in ein Hotel. Wegen des Festes kann man nun von mir einen Wahnsinnspreis verlangen. Für die gut 26 km brauche ich etwa 5,5 Stundenn reine Gehzeit. Nachdem ich gewaschen habe, hört es tatsächlich auf zu regnen und ich kann noch den Hafen und die Stadt besichtigen. Sogar die Kirche Santa Maria ist geöffnet. Leider ist sie stockdunkel.
Wie so oft ist es wieder schwierig, zu einer angemessenen Zeit etwas Warmes zu essen zu bekommen. Ich bekomme ein Brötchen, dessen Beilage ich nicht eindeutig identifizieren kann. Für den nächsten Tag hole  ich mir noch Äpfel und Getränke aus einem Supermarkt.
Ich gehe noch in die Toruristinfo. Hier sagt man mir, dass die Herberge in Pineres zu ist. Vor Ribadasello gebe es auch keine andere Herberge. Es seien aber nur 28 km und das sei ja wohl kein Problem. Nach meinen Informationen sind es mindestens 30 Kilometer. Ich werde es am nächsten Tag selbst sehen.  
18. Etappe: Llanes - Ribadasello

beim Verlassen meines paradiesischen Hotels regnet es wieder wie befürchtet. Ich habe schlecht geschlafen, weil es im Hotel und der Umgebung unheimliich laut war. Die letzten Festgäste gehen gerade nach Hause als ich mich auf den Weg nach Ribadasello mache. Das Unverständnis für den jeweils anderen beruht auf Gegenseitigkeit. Dafür finde ich schon in Poo eine Bar, die geöffnet hat. Ein heißer Cafe con leche tut jetzt richtig gut. Das Klaster San Salvador in Celorio ist aber geschlossen. Irgendwann hört es tatsächlich auf zu regnen. Der Aufstieg bei El Santin nach der Kapelle ist ziemlich steil und schmierig. Am Playa de San Antolin sehe ich dann nach längerer Zeit zum ersten Mal wieder ein Stück blauen Himmels. In Pineres ist ebenfalls ein großes Vokksfest. Da es hier sowieso keine Unterkunft geben soll, suche ich möglichst schnell das Weite. Vor Ribadasello hätte ich nun doch die eine oder andere Übernachtungsmöglichkeit gehabt. Da das Wetter und meine Beine aber mitmachen, laufe ich durch bis Ribadasello. Für die mehr als 30 Kilometer bin ich knapp 7 Stunden unterwegs.
Auch hier schlafe ich nicht gut, da ein Baby die ganze Nacht brüllt.
19. Etappe: Ribadasello - Colunga

Ich gehe gegen 7.00 in Ribadasello noch im Dunkeln los. Es regnet nur ganz schwach.
Der offizielle Weg geht nicht über den Strand. Ich laufe dennoch kurz am Strand vorbei. Dann folgern viele Kilometer Asphalt. Gottseidank fahren hier aber kaum Autos. In La Vega taucht kurz hinter mir ein Pilger auf. Er macht hier aber eine Rast während ich weiterlaufe. In Berbes zeigt ein Plakat, dass es hier nur ganz knapp neben dem offiziellen Weg eine Bar gibt. Sie ist um 9.45 Uhr leider geschlossen. Dafür macht ein Hund nun soviel Lärm, dass die Bar für mich doch geöffnet wird. Der Hund wird unfreundlicherweise ins Freie befördert. Kurz nach mir trudelt ein weiterer Pilger ein: Jose Maria aus Buenos Aires. Er lebt und arbeitet als katholischer Priester in Rom. Wir genießen ein spanisches Frühstück und laufen dann bis La Isla zusammen. Jose bleibt wohl hier: Buen camino! Meine Beine machen weiterhin gut mit und so pilgere ich weiter nach Colunga. Für die ca. 25 Kilometer bin ich 5,5 Stunden gelaufen. Am Nachmittag kann ich mir die Kirche San Cristobal anschauen, die interessante Fenster hat. Abends bekomme ich noch ein Menu del dia, das nicht unbedingt gut, aber wenigstens warm ist. Zum Ausgleich habe ich eine ruhige Nacht.
20. Etappe: Colunga - Villaviciosa

Wie üblich starte ich früh zu meiner heutigen mit etwa 19 km relativ kurzen Etappe. Es regnet nicht. Bis Villaviciosa gibt es für mich keine geöffnete Bar. In Priesca wird gerade die Kirche aufgeschlossen. Allerdings scheine ich dem Herrn (Priester?) nicht willkommen zu sein. Um 10.30 komme ich an der Herberge in Sebrayo vorbei. Hier bauen junge Pilger gerade ihre Zelte ab. Ich habe bereits bei angenehmen Temperaturen mehr als die Hälfte meines heutigen Weges zurückgelegt. Nach meinem Verständnis haben sie die besten Stunden zum Pilgern verpasst. Nach den vielen Regenfällen der letzten Tage sind heute viele Wege schwer begehbar. Dennoch bin ich gegen 12.00 Uhr in Villaviciosa. Hier dauert es eine Weile bis ich eine Unterkunft gefunden habe.
Die Kirche Santa Maria de Oliva ist beim dritten Versuch geöffnet.
Statt eines Menüs gehe ich in einen Supermarkt einkaufen.
 
21. Etappe: Villaviciosa - Gijon

Heute steht eine lange Etappe  an; also breche ich um 6.20 Uhr noch im Dunkeln auf. Wie auch gestern hat sind durch den Regen der vergangenen Tage viele Waldwege aufgeweicht. In Pepito muss ich feststellen, dass hier wie auch fast alle anderen Kirchen die Santiago-Kapelle verschlossen ist. das "Casa Pepito" ist ebenfalls nicht geöffnet. Auf dem Berg angekommen treffe ich in der Bar Marianne aus Rumänien und Luigi aus Italien. Nach einem gemeinsamen Cafe con leche laufen wir bis Gijon zusammen. Die beiden wollen hier in die Jugendherberge. Das macht für mich nach mehr als 30 Kilometer nicht so viel Spaß. Die Herberge liegt weit ab vom Weg. Im deutschen Führer steht sogar, dass man den Bus dorthin nehmen soll. Meine Pilgerehre lässt das nicht zu. So suche ich mir in Gijon eine kleine Herberge. Laut Tourist-Info ist Gijon ausgebucht. Ich finde jedoch relativ schnell in verkehrsgünstiger Lage die Pension Argentina. Nach der üblichen Körper- und Wäschepflege und einer kurzen Siesta gibt es eine kleine Stadtbesichtigung. Beim zweiten Versuch ist San Pedro offen. Es gibt noch vieles andere zu sehen: Der Hafen, Don Pelayo, Octavius Augustus ...
Später bekomme ich in einem Schnellimbiss ein kleines aber warmes Menü. Für den nächsten Tag suche ich dann noch einen Supermarkt auf. Für die 31 km war ich mit deutlich unter sieben Stunden gar nicht so langsam unterwegs, was aber zum großen Teil auf Mariannes und Luigis tolles Tempo zurückzuführen ist.
22. Etappe: Gijon - Aviles

Die heutige Etappe ist nicht viel kürzer als die gestrige. Also breche ich wieder ganz früh auf. Die
Kennzeichnung des Weges in Gijon ist nicht gut. Aber ich habe mir ja den Verlauf am Vortag schon einmal angesehen. Am Ortsende von Gijon wird es dann schwierig: Die Bahntrasse kann nicht - wie im Führer beschrieben - passiert werden. Die Abzweigung ist mit einem Bauzaun abgesperrt und es existieren große Schilder "Prohibido el paso". Die Schilder sind eindeutig, sie gelten auch für Fußgänger. Ich würde gerne versuchen, mich durch die Baustelle durchzuschlagen. Aber ein englischer Pilger meint, dass das unter keinen Umständen geht. So marschiere ich die nächsten sieben Kilometer auf der stark befahrenen Landstraße mit dem Engländer zusammen mehr oder weniger im Straßengraben.
Dann geht er bei einer Tankstelle in eine Bar. Ich laufe auf der Straße weiter. Es ändert sich nichts mehr. Bis Aviles bleibe ich auf der vielbefahrenen Straße. Die Zimmersuche gestaltet sich nicht einfach. Schließlich komme ich in der 2-Sterne-Pension El Norte unter. Woher die beiden sehr netten Damen ihre beiden Sterne haben, weiß ich jedoch nicht. In ihrer Bar scheine ich auch der einzige Gast zu sein.
Am Nachmittag mache ich wie üblich meine Ortsbesichtigung. Die Kirche an Tomas de Canterburry ist nur deshalb offen, weil gerade eine Beerdigung vorbei ist.
Die offizielle Wegführung in Aviles ist abenteuerlich. Mein Tipp: Wer keine Lust hat, morgens im Zickzack durch Aviles zu laufen, besorge sich mittags in der Tourist-Info einen Stadtplan. Hier sieht man sofort, dass die Wegführung unsinnig ist.  
23. Etappe: Aviles - Playa de Aguilar

Ich gehe heute erst kurz vor 7.00 Uhr los. Es soll ja eine kurze Etappe kommen. Die Bar gleich neben meiner Pension hat schon auf und so gibt es ein kleines Desayuno. Am Ortsende von Aviles holen mich eine junge Berlinerin und ein junger Spanier ein. Ihr Fotoapparat macht nicht mehr das, was er soll. Mein Angebot, ihr das eine oder andere meiner Bilder zu schicken, lehnt sie ab. Die beiden erzählen mir aber, dass die Herberge in San Esteban ausgebucht ist. Dort wollte ich eigentlich hin. In El Pito wäre auch nur noch ein Dreier-Zimmer für 85 Euro frei. Das überrsteigt bei weitem meine Vorstellungen von Pilgern. An der Abzweigung vor San estebban verabschieden wir uns. Ich will dennoch in der Herberge in San Esteban vorbeischauen. Diese ist tatsächlich privat völlig ausgebucht. Im Ort selbst gibt es weder eine Pension, noch ein Hostal oder ein Hotel. Zurück zur Nationalstraße und nach El Pito will ich aber auch nicht laufen. Fünf Kilometer Umweg mit der Aussicht, hier auch kein Bett zu kommen, macht keinen Sinn. So marschiere ich weiter und gehe den Küstenweg.Ab San Esteban wird es richtig heiß und die 400 Stufen von Meereshöhe zur kleinen Kapelle hoch tun richtig weh. Dafür ist der Küstenweg landschaftlich ausgesprochen schön. Vor allem gibt es hier keine Autos. Nach 30 Kilometern und ca. sieben Stunden zu Fuß beschließe ich in Playa de Aguilar nach einem Bett zu fragen. Ich komme im Hotel unter. Hier gibt es später auch ein gutes Abendessen.
 
24. Etappe: Playa de Aguilar - Soto de Luna

Heute soll ein halber Ruhetag auf dem Programm stehen. Ich marschiere also erst um 6.40 Uhr los. Als ich schon außerhalb meiner Unterkunft bin, wundere ich mich, dass ich nichts in den Händen halte. Irgendetwas fehlt: meine Teleskopstöcke. Alles ist noch stockdunkel. Die Hotelbar öffnet zum Frühstück erst um 9.00 Uhr. Was soll ich machen? Ich laufe ohne Stöcke weiter. Dafür vertrete ich mir gleich auf der Landstraße einen Knöchel. Zu allem Unglück zerlegt sich später noch meine Brille. Diese kann ich mit einem Tapeband notdürftig reparieren. Nach 20 Minuten und einem tollen Sonnenaufgang im Meer erreiche ich die Kirche in El Pito. Da sowohl im deutschen Führer als auch im Internet Warnungen vor dem Zustand des Weges beschrieben sind, gehe ich den "kleinen" Umweg über Cudillero. So toll finde ich persönlich den Ort aber nicht. Beim Rückweg aus dem Ort finde ich orangefarbene Pfeile. Ich schließe messerscharf, dass das mein Rückweg zum Camino ist und folge ihnen. Landschaftlich ist der Weg ganz schön, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass da etwas nicht stimmt. Um 9.00 Uhr bin ich an der Kirche von El Pito. Hier war ich vor genau zwei Stunden schon einmal. Ich muss nun also doch den offiziellen Weg gehen. Erstaunlicherweise ist er entgegen allen Warnungen problemlos zu finden und auch zu gehen. Die Wegbeschreibung von R. Joos ist absolut richtig. An der Nationalstraße 632 angekommen gibt es aber eine Umleitung nach links. Sie ist bestens beschildert, aber nach meiner Messung 4,2 Kilometer länger als der Originalweg. Anfangs geht es auch recht lange und steil bergauf. An diesem Tag ist es richtig warm. Ich komme zum ersten Mal ins Schwitzen Auch mein Wasservorrat geht dem Ende zu.  Aus einer kurzen Etappe ist mit 26 Kilometer in gut fünf Stunden reiner Gehzeit wieder eine normale Etappe geworden. der Versuch, die Kirche zu besichtigen, scheitert wie so oft an verschlossenen Türen. Ich finde eine günstige Unterkunft. Abends soll ein desfiletes del grupos folcloristo sein. Der Bürgermeister begrüßt alle Anwesenden dreimal sehr ausführlich, bevor die zwei Gruppen dann auftreten dürfen.
Ich genieße das Schauspiel von Dudelsackmusik und Tanz.
Zum Abendessen gönne ich mir ein unverschämt teures aber auch ausgezeichnetes Menü.
Wie üblich gehe ich wieder früh ins Bett. Wer weiß, was der nächste Tag an Überraschungen bereit hält?
kleine Rast
Hafen von Llanes
Möwe
Auf dem Weg nach Colunga
Kapelle am Weg
Gijon
Steilküste
Sonnenaufgang am Camino
Soto de Luna
25. Etappe: Soto de Luina - Villademores

Heute darf ich den ganzen Tag auf der N 632a (=antigua) laufen. Der viele Asphalt
tut den Beinen nicht gut, aber ich lege in der relativ kurzen Zeit von 5,5 Stunden ca. 28 Kilometer zurück. Die gegend ist ausgesprochen schön und trotz Nationalstraße praktisch kein Verkehr, Unterwegs treffe ich drei Ungarn. Wie so oft bei Pilgern, laufen wir einige Kilometer zusammen. Dann geht jeder wieder seinen Weg allein. Die  drei haben mehr Zeit als ich und können kürzere Etappen gehen. Heute ist es bewölkt, regnet aber nicht. In Santa Marina kehre ich zu einem Cafe con leche ein. Später in Cadavedo gibt es noch ein Bocadillo. Alle Unterkünfte, bei denen ich nachfrage sind ausgebucht. So nehme ich etwas abseits vom Weg Quartier in einem Hotel, da ich nicht über 40 Kilometer gehen will.

26. Etappe: Villademores - Pinera

Um 6.30 breche ich mit Taschenlampenunterstützung auf, merke dennoch nicht, dass ich mich verlaufe.
Der Spaß kostet mich etwa einen Kilometer. Kurz darauf holt mich Cordula Christine ein. Wir laufen den restlichen Tag zusammen. Heute regnet es recht lange, hört aber im Laufe des Tages wieder auf. Im Hostal Canero kehren wir zu einem Cafe con leche ein. Nach Otur machen wir am Ortsende bei einer Ermita eine ausführliche Rast. Am Schluss zieht es sich doch noch ganz schön in die Länge. In Villapedre gibt es eine Wegänderung. Es geht nicht mehr an der Nationaklstraße entlang, sondern über sie hinweg. Auf der anderen Seite geht man dann rechts an der Kirche vorbei und über die Bahngleise oder links an der Kirche vorbei und durch einenkleinen Tunnel unter den Bahngleisen hindurch. Der Weg wird dann abenteuerlich, aber wir stoßen genau dort wieder auf die 634, wo es gegenüber in Richtung Herberge geht. Wir gehen also wie beschrieben zuerst in die Bar (Muschelhaus), um uns für die Herberge anzumelden und anschließend in unsere gastliche Unterkunft. Ohne Pausen habe ich für meine 33 Kilometer nur 6 Stunden und 15 Minuten gebraucht.
Irgendwie habe ich mir heute ganz kräftig den Magen verdorben. Der Abend und die Nacht sind nicht gut. Irgendwann schlafe ich wie die anderen 19 Pilger dann doch ein.

27. Etappe: Pinera - Valdepares

Ich starte für meine Verhältnisse um 7.20 Uhr recht spät. Wie beschrieben gehe ich zuerst ein Stück auf der Nationalstraße und biege dann rechts ab. Der Weg wird unzumutbar. In kürzester Zeit bin ich in dem hüfthohen Gras und Unkraut bis einschließlich der Oberschenkel klatschnass. Ab Naria ist keine Wegkennzeichnung mehr vorhanden. Später gibt es eine Wegänderung, die aber wieder gut gekennzeichnet ist. Mein Magen meldet sich regelmäßig. Weit werde ich heute nicht kommen. In La Caridad frage ich in zwei Hostales nach einer Unterkunft. Beide sind vollständig belegt.
Wenigstens darf ich das Servicio benutzen. In Valdepares ist Schluss. Es geht nicht mehr. Direkt an der Nationalstraße bekomme ich ein Zimmer in einer Bar. Mein Bett steht ungefähr drei Meter von der Straße entfernt. Im Moment ist mir das bei meinem Zustand völlig egal. Omas Hausrezept lautet: Cola und Salzbrezel. Das erste gibt ves, das zweite nicht. Glücklicherweise bin ich am nächsten Tag wieder beschwerdefrei. Für die 17 Kilometer war ich mit 4 Stunden 20 Minuten  reine Gehzeit relativ lange unterwegs.
Über die Autobahnbrücke nach Galicien
28. Etappe: Valdepares - Ribadeo

Mein Magen scheint wieder vollständig in Ordnung zu sein. Um 7.00 Uhr ziehe ich los. Leider ist in Porca die Brücke gesperrt. Wenn man die Sperrung schon auf der Nationalstraße angekündigt hätte, dann hätte ich mir einige Höhenmeter erspart. So geht es also kurz vor der Brücke nach links und steil nach oben zur Nationalstraße. Der Fluß wird dann auf der N 634 überquert. Gleich nach der Brücke geht es links und unter der Brücke hindurch in den Ort Porca, wo man dann auf der rechten Seite die Baustelle bewundern kann. Da ich durch meine Magenprobleme und Verlaufen in den letzten Tagen doch einige zeit verloren habe, gehe ich den traditionellen Weg über Brul und Tol. Hier holt mich Robert ein. Er kommt aus Tapia und ist heute derjenige, der sich verlaufen hat. Zusammen rennen wir nach Ribadeo durch. Hier verlassen wir Asturien und erreichen Galicien. Robert geht in die Herberge; ich gehe als Luxuspilger in das kleine niedliches Hotel Santacruz. Die Chefin verrät mir, wo ich einen Optiker finde, der mir sicher meine Brille repariert. ich finde den Optiker sogar und für zwei € sieht meine Brille nach kurzer Zeit wieder wie neu aus. Als nächstes gehe ich in die Tourist-Info und frage nach einem Internetcafe. Auch das gibt es und zwar nur etwa 50 Meter von der Info entfernt. Hier kann ich tatsächlich meine Bordkarte für den Rückflug ausdrucken. Ryanair hat ja seit Mai 2009 wieder eine Möglichkeit gefunden, Geld zu machen. Wer seine Bordkarte nicht selbst ausdruckt, zahlt am Flughafen eine Gebühr von 40 €. Mittags gehe ich in den Hafen und bewundere die Brücke über die ich einige Stunden vorher schon gegangen bin. Ich finde in Ribadeo sogar zwei Kirchen, die nicht abgeschlossen sind. Beide sagen mir nicht besonders zu. Ich finde sie innen zu dunkel.
Abends teste ich meinen Magen mit einem Salat und einer Pizza. 18 km in 4 Stunden ist für meine Verhältnisse heute in Ordnung.
29. Etappe: Ribadeo - Lourenza

Gegen 7.00 Uhr verlasse ich mein kleines Hotel. Kurz nach Ribadeo auf der ersten Anhöhe werfe ich einen Blick zurück. Hier sieht man zum letzten Mal das Meer. Ein schöner Sonnenaufgang verspricht einen guten Tag. Cesar und Javier holen mich ein. Es ist ihr erster Tag und sie werden viel zu weit laufen. Später überholen mich auch noch Christine und Robert. Sie sind mir heute viel zu schnell. Bald treffe ich Christine wieder. Wir haben ein Problem: Zwei große Hunde frei auf dem Weg. Gemeinsam passieren wir die beiden. Später höre ich, dass ein spanischer Pilger in die Wade gebissen wurde. Der Hundebesitzer war sich aber keiner Schuld bewusst.
Nach der brenzligen Situation gehe ich wieder alleine weiter. Am Ortsende von Ponte de Arante treffe ich Robert wieder. Vernünftige und pilgerfreundliche Anwohner haben hier einen Unterstand gebaut. Es gibt zwei Automaten mit Getränken und Kleinigkeiten zu Essen. Robert meint, dass es bald anfangen wird zu regnen. Wie recht er hat. Es fängt bald an schwach und dann immer stärker zu regnen. Bis Lourenza hört es nicht mehr auf.   Soll ich bei diesem Wetter in Gondan bleiben wie all die anderen Pilger? Es macht für mich keinen Sinn und ich ziehe weiter. In San Xusto bekomme ich in einer Bar einen Cafe con leche. Die Quartiersuche in Lourenza ist nicht einfach. Schließlich lande ich auf abenteuerlichen Wegen in der vPension Rego. Die Habitacion con bano ist in Ordnung. Nach verschiedenen Aussagen von Mitpilgern wollte ich mir die Herberge hier nicht antun. Meine nassen Klamotten wären dort wohl nicht getrocknet. Für die gut 30 Kilometer habe ich nur 6,5 Stunden benötigt.
Der Versuch am späten Nachmittag die Kirche zu besichtigen scheitert wie so oft an verschlossenen Türen. Von außen macht sie jedoch einen ganz interessanten Eindruck.

30. Etappe: Lourenza - Abadin

Die ersten zwei Kilometer geht es mit der Taschenlampe durch den Wald, da ich wie sonst früh weggehe. Es regnet nicht und das wird auch den ganzen Tag so bleiben. Kurz vor Mondonedo überholt mich zum wiederholten Male Robert. Die Kathedrale in Mondonedo sollte  eigentlich offen sein, ist aber leider zu.  Da für hat eine Bar in der Nähe auf. Ich bin der einzige Pilger, der Lust auf einen Kaffee hat. Alle anderen sehe ich an der Bar vorbeiziehen. Gegen 10.00 Uhr breche ich auch wieder gen Gontan auf. Zuerst geht es steil bergauf und dann zwei Stunden auf einer fast nicht befahrenen kleinen Landstraße mal bergab und mal bergauf. Dann erreiche ich Lousada. Hier beginnt der Aufstieg zum Pass. Der Aufstieg ist zawr nur etwa einen Kilometer lang, aber nicht ohne. Oben bietet sich mir ein Bild der Verwüstung. Hier wird eine neue Autobahn gebaut. Der Camino wird teilweise umgeleitet und ich muss auch auf die riesigen Baustellenfahrzeuge aufpassen. Die kurzen Umleitungen sind aber bestens ausgeschildert. Von hier sind es nur noch etwa 5,5 Kilometer bis Gontan und dann noch ein Kilometer bis Abadin. Nach langem vergeblichen Suchen und Fragen bekomme ich in der Casa Goas eine Unterkunft. Essen gibt es allerdings heute nicht. Dafür gibt es in Abadin einen Supermarkt. Reine Gehzeit waren für 31 Kilometer recht genau 6 Stunden.
Morgennebel
31. Etappe: Abadin - Vilalba

Die Reste aus dem Supermarkt - 1 Apfel, 1 süßes Teilchen - gibt es zum Frühstück. Um 7.00 Uhr ziehe ich gemütlich los. Mir steht mit etwa 21 Kilometer eine kurze Etappe bevor, die ich in 4,5 Stunden auch bewältigen werde. Es bleibt den ganzen Tag trocken, obwohl es immer wieder so aussieht, als ob es gleich regnen würde. der Weg ist heute - abgesehen von der Autobahnbaustelle - sehr schön. Es gibt viele Abschnitte ohne Asphalt, aber keine einzige Bar. Auch die in Ponte Vella existiert nicht oder hat sich so gut versteckt, dass ich sie nicht finde. An der Brücke über den Rio Batan mache ich eine kleine Rast. In Goiriz ist wie gehabt die Kirche zu, der Friedhof mit seinen riesigen Kreuzen aber sehr beeindruckend. Bis zur Herberge in Vilalba sehe ich keinen einzigen Pilger, dafür umso mehr freilaufende Hunde, die mich nicht mögen. Die Herberge ist noch geschlossen und ich will nicht stundenlang warten; ich stinke zu sehr. Trotz Autobahneubau habe ich keine Probleme auf dem Weg. Ich musste die Neubaustrecke dreimal durch einen Tunnel unter- aber nie überqueren. Da es trocken war, hatte ich auch keinerlei Unannehmlichkeiten mit Matsch. Falls es jedoch regnen sollte, dann ist die Strecke sehr schwierig zu gehen. In Vilalba eine kleine Unterkunft zu finden ist kein Problem. Nach dem üblichen Waschritual finde ich sogar eine Bar, in der ich für 7,90 € ein Menü bekomme.
Danach besichtige ich Vilalba: Santa Maria ist offen. Hier ist die Marienerscheinung von Lourdes nachgebildet. Das Parador (Torrede Andrade) ist sehr beeindruckend.
32. Etappe: Vilalba - Miraz

Heute liegt eine lange Strecke mit etwa 37 Kilometer vor mir. In Vilalba ist es noch dunkel. Wie gut, dass ich mir gestern schon den Weg aus dem Ort angeschaut habe. Über San Xoan de Alba und Insua erreiche ich unter guten Bedingungen Bamonde. Unterwegs komme ich an dem berühmten Monolith mit der Beschriftung 111,11 km vorbei. Das Wetter ist gut, die Beine machen mit und mein Heimflug rückt näher. Also laufe ich weiter. In Bamonde treffe ich wieder einmal Cesar  in einer Bar. Ich hole mir noch einige Lebensmittel in einer Tankstelle am Ortsende. Dann kommen einige Kilometer auf der Nationalstraße. Dank eines breiten Randstreifens ist das aber gut machbar. Dann holt mich Cesaar wieder ein und wir gehen bis Miraz zusammen. Am Mittag wird es warm und wir kommen beide an unser Limit. Mit vereinten Kräften erreichen wir glücklich die Pilgerherberge. Leider sind schon alle Betten belegt und wir dürfen uns Matrazen für den Boden aussuchen. Später kommen nocch drei Leidensgenossen zu uns, die ebenfalls auf dem Boden schlafen dürfen. Dennoch wird diese Nacht eine hervorragende, weil in unserem Zimmer niemend schnarcht. In der Herberge treffe ich auf Ursula, eine junge Kollegin aus meiner Heimatstadt. Die reine Gehzeit war 7 Stunden 20 Minuten.
Sobrado dos Monxes
Auf dem Weg nach Arzua
33. Etappe: Miraz - Sobrado

Günther und die beiden Spanier, die auch auf dem Boden schlafen durften, stehen um 6.00 Uhr auf, ich erst eine halbe Stunde später. Nach einem Minifühstück geht es kurz vor 7.00 Uhr los. Am Ortsende werde ich wieder von der Berlinerin überholt, die wie immer sehr schnell unterwegs ist. Langsam wird es hell. Durch die Heidelandschaft zu laufen ist wesentlich angenehmer als auf Asphalt. Nach 8 km holt mich Cesar wieder ein. Den Rest gehen wir wieder zusammen. Javier hat sich am ersten Tag so die Beine verdorben, dass er noch immer nicht wieder mit uns laufen kann. Auch Cesars Füße sehen schlimm aus. Er beißt auf die zähne und hält durch. Unterwegs schließt noch Günther zu uns auf. Einige Zeit laufen wir zusammen auf der Suche nach einer Bar. In Roxio finden wir keine.  Später finden wir tatsächlich eine p ohne Schild -, die auch geöffnet ist. Der Service der alten Dame ist ausgesprochen gut. Ihre Preise waren mit Abstand die billigsten, die ich in diesem Jahr erlebt habe.
Auf Asphlat geht es nun nach Meson weiter, d.h. es mmacht keinen besonderen Spaß mehr. Etwa 3 km vor Sobrado fängt ves an zu regnen. Ceasr und ich kommen gerade noch rechtzeitig im Dorf an, dann fängt es an zu schütten. Für die ca. 27 km habe 5,5 Stunden benötigt. Nach der üblichen Wäsche genieße ich eine kurze Siesta. Dann geht es zum Einkaufen. Anschließend wird das Kloster Sobrado besichtigt. Leider gießt es immer noch in Strömen.
34. Etappe: Sobrado - Arzua

Meine letzte Etappe auf dem Camino del Norte: Heute werde ich Arzua erreichen und damit auf den Camino frances stoßen. Ich bin gespannt, wie es da heute aussieht. Vor Jahren bin ich hier ja schon mehrfach gewesen. Das Wetter hat sich aufgemacht und es regnet nicht. Die ersten Kilometer verlaufen auf sschönen Wegen im Wald. Nach acht Kilometer kommt für mich die erste und einzige Bar auf dem heutigen Weg. Hier kommen kurz nach mir auch Günther und Cesar an. Beide verlassen aber schnell den gastlichen Ort. Heute will aber jeder von uns alleine laufen. Das wird auch von jedem Pilger immer akzeptiert. Bis Arzua kann sich Petrus nicht entscheiden, was er will. Manchmal scheint die Sonne, meistens ist es aber stark bewölkt und es sieht nach Regen aus. Es regnet aber nicht. Leider sind die letzten Kilometer nur noch auf Asphalt. Ich komme früh in Azu an und bin ziemlich geschockt: wahnsinnig viele Pilger auf dem Camino frances. So schlimm hatte ich mir das nicht vorgestellt.Trotz der vielen Pilger bekomme ich gleich in der ersten Pension ein Zimmer und ein Menu del dia. Das Zimmer ist ganz toll, der russische Salat noch tiefgefroren. Fü+r die 23 Kilometer war ich heute knapp 5 Stunden unterwegs.
35. Etappe: Arzua - Santiago de Compostela

Ich muss ganz dringend um 5.30 Uhr aufstehen. Durch mein Fenster sehe ich, dass die ersten Pilger schon auf der Straße sind. Den Sinn will ich nicht verstehen und lege mich nochmals bis 6.00 Uhr hin. Dann stehe ich auf, mache mich gemütlich fertig. Kurz nach meinem Start sehe ich, dass die Bar neben der Kirche schon auf hat. Viele Pilger sind hier zu einem Desayuno. Auch ich gönne mir hier eine Kleinigkeit. Dann geht es aus Arzua hinaus ins Dunkle. Eine Taschenlampe ist eigentlich überflüssig. So viele Pilger vor und hinter mir. Ich komme mir vor wie auf einem Volkswandertag in Deutschland. Pilger in nagelneuen weißen Hosen und weißen Turnschuhen und mit zwei Plastiktüten rechts und links am Arm - wie soll das bis Santiago weitergehen? Eigentlich sind es ja nach zwei Tage. Soll ich mir das antun oder versuchen durchzulaufen. Mitpilger auf dem Camino del Norte haben mir erklärt, dass sie ab Arzua auf jeden Fall den Bus nehmen würden. Das kommt für mich aber nicht in Frage. Ich nehme mir vor, heute soweit zu laufen wie meine Füße mich tragen. Auf der Höhe von Empalme treffe ich in der Bar auf der rechten Seite einen jungen Deutschen und eine Österreicherin. Diese Bar hat eine Empfehlung von R.Joos. Eventuell sollte er sich dort mal im Servicio umsehen. Dann wird es wohl keine Empfehlung mehr geben. Das beste an der heutigen Etappe ist, dass es zumindest am Anfang wenig Asphalt gibt. So werden meine Füße etwas geschont. Die beiden jungen Pilger holen mich irgendwann ein und wir gehen ein Stück zusammen, auch wenn sie eigentlich schneller gehen als mein normales Tempo.
Zwischendurch regnet es immer wieder mal ein Bisschen. Wir sind halt in Galicien. Am Flugplatz trifft mich der nächste Kulturschock. Die Zivilisation hat mich wieder. Nun habe ich auch keine Lust morgen nochmals wie ein Schwein zu stinken. Ich beschließe, den Marathon durchzulaufen. Moritz und Co. machen nochmals eine Rast. Ich muss weiterlaufen. Wenn ich jetzt noch eine größere Pause machen würde, bekäme ich garantiert später Probleme. Also renne ich über San Marcos, den Monte do Gozo hinauf und nach Santiago hinunter. Nach gut acht Stunden komme ich nach knapp 43 Kilometer in Santiago an. Kurz vor der Kathedrale spricht mich eine ältere Dame wegen einer Habitacion an. Damit ist dieses Problem auch gelöst. Ich gehe aber sofort zur Kathedrale und höre eine Stimme: "Hola Gerhard, bist Du auch schon da?" Es ist Jose Maria. Er erzählt mir, dass er am nächsten Tag in der Pilgermesse mitzelebrieren werde und dass zu Ehren der hl. Monika das Botafumeiro geschwungen wird. Fünf Minuten später spricht mich Cesar vor der Kathedrale an. Fast alle anderen Pilger treffe ich in den nächsten Tagen wieder. Ich wünsche allen Mitpilgern in ihrer Zukunft einen "buen camino"!

In Santiago de Compostela:

Am nächsten Tag wird tatsächlich in der Pilgermesse das Botafumeiro geschwungen und einige meiner Mitpilger sehe ich auch hier wieder. Nach der Pilgermesse fühle ich mich nun eigentlich nur noch als Tourist.

Mein Fazit: Der Camino de la Costa und der Camino del Norte sind relativ anspruchsvoll. Landschaftlich sind sie mit keinem der anderen mir bekannten Jakobswege vergleichbar. Die Infrastruktur ist mittlerweile ganz gut. Überlaufen ist dieser WQeg von irun nach Santiago auch noch nicht. Es ist zu vermuten, dass sich das in endlicher Zeit ändern wird. Die kennzeichnung des Weges ist in der Regel gut. In Galicien könnte man eigentlich ohne Führer auskommen.
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